· 

Zeit zum Loslassen

Fliegenpilze. Bild von Sylvia Borrink
Fliegenpilze. Bild von Sylvia Borrink

Loslassen oder das kleine 1x1 des Sterbens

Die Natur in unseren Breiten zeigt uns über die Jahreszeiten immer wieder im Herbst, wie Loslassen geht. Die Bäume sind beispielsweise Spezialisten im Loslassen. Sie lassen im Herbst ihre Blätter noch mal bunt leuchten bevor sie sie dann fallen lassen. Sie ziehen ihre Lebenssäfte zurück in Stamm und Wurzeln, also in ihr Innerstes,  um die Kälte des Winters zu überleben. Das Loslassen ist für sie also auch Überlebenskunst. Die winterlichen Bedingungen entsprechen nicht ihren Grundbedürfnissen nach Wärme und Sonne, und so haben sie sich eine Möglichkeit geschaffen den Winter zu überstehen ohne zu erfrieren, um im nächsten Frühling wieder neue Blätter wachsen zu lassen.

 Das können wir uns abschauen. Auch wenn es nicht immer so drastisch ist, dass wir sofort sterben würden durch unsere alten Gewohnheiten oder überholten Muster, so ist es doch so dass der Schaden, wenn auch zunächst schleichend und fast unmerklich, auf Dauer groß ist. Wir können davon sogar krank werden, oder lebensmüde. Loslassen bringt uns also zum Thema Sterben und Tod, sowohl wenn wir es zulassen, als auch wenn wir es vermeiden.

 

 Sterben und Tod

Im Grunde ist es eines dieser Themen denen man nicht entkommen kann, die wir jedoch am liebsten vermeiden: Sterben und Tod, auch in unserer Gesellschaft mit einem Tabu belegt. Seit vielen Generationen ist Tod, Sterben, ja sogar das älter werden mit Ängsten belastet. Es wird nicht darüber gesprochen, es gibt kaum mehr Rituale dazu. Obwohl es mittlerweile wieder Ansätze gibt, solche Rituale einzuführen und Tod und Sterben wieder ins Leben zu holen, so sind es eben doch erst Ansätze und längst noch nicht selbstverständlich. Die meisten Menschen wissen nicht wohin sie gehen nach dem Tod und entsprechend groß ist die Angst vor dieser Ungewissheit.

 

Vielleicht brauchen wir es erneut zu lernen wie sterben geht und wie wir dem Tod begegnen können. Auf eine Geburt werden Mutter und Kind vorbereitet. Der Tod ist ein ebenso wichtiger Übergang von einer Welt in eine andere. Es ist nicht ein Sturz ins Nichts! Oder wie manche meinen, es sei dann alles vorbei. Wir verlassen diese Welt, den physischen Körper um in eine andere Welt, in eine andere Dimension einzutreten. Wir lassen den physischen Körper los, die Seele lässt den physischen Körper zurück, um woanders neu geboren zu werden. Wenn wir den Prozess des Loslassens, schon Zeit unseres Lebens bewusst erleben, dann gelingt uns möglicherweise das Loslassen unseres Körpers, wenn es an der Zeit ist, auch mit mehr Bewusstheit und Leichtigkeit. Der Tod des gesamten Körpers ist vielleicht wie ein Finale von diesem Leben anzusehen.

 

Doch wir vergessen darüber leicht dass Sterben tagtäglich in unserem Leben geschieht, ja sogar im Sekundentakt!

In jeder Sekunde sterben rund 50 Millionen Zellen in unserem Körper, zwischen 50 und 70 Milliarden sind es täglich! das sind mehr als das Zehnfache der aktuellen Weltbevölkerung! Das sind schon Zahlen die jenseits unserer Vorstellung liegen und dennoch merken wir dieses tägliche Sterben nicht einmal! Das macht unser Körper ganz selbstständig und gleichzeitig gebiert er fast genau soviele neue Zellen! Doch das alles passiert ohne unser Zutun und wir sind uns dessen nicht einmal bewusst. Vielleicht wenn wir öfter mal daran denken würden, könnte es sein, dass uns das Loslassen leichter fallen würde?

 

In einer Gesellschaft in der wir gelernt haben alles im Griff zu haben, zu managen, zu organisieren, ist uns die hohe Kunst des Loslassens nämlich deutlich abhanden gekommen. Unsere Gedanken sind geprägt von Angst oder Mangel, und auch das oft unbewusst, denn es wird als normal betrachtet, in dieser Art zu denken. Wir fließen nicht mit dem mit was ist, sondern versuchen ein Stück vom großen Kuchen der Gesellschaft ab zukriegen. Die Angst zu wenig zu bekommen, die damit einher geht wird meistens nicht wirklich wahrgenommen, geschweige denn gefühlt. Diese Art zu denken führt jedoch unweigerlich zu festhalten-wollen einerseits und loswerden-wollen andererseits. Das Schöne, Angenehme, Sichere möchten wir festhalten, während dem wir all das was wir als unangenehm einstufen, loswerden wollen.

 

Verwechseln wir nicht allzu oft Loslassen mit Loswerden wollen?

Häufig ereilt mich das Gefühl dass wenn vom Loslassen gesprochen wird, eher gemeint ist "etwas-loswerden-wollen“.

Das ist jedoch nicht das was ich mit der hohen Kunst des Loslassens meine.

 

Doch zuerst zu dem Loswerden wollen: Ich kann es sehr gut verstehen weil ich es selber so gut kenne. Wir möchten alles loswerden was sich unangenehm oder schmerzhaft anfühlt, was uns enttäuscht hat oder nicht mehr gefällt. Ganz egal ob es sich dabei um Dinge, Menschen, oder Gewohnheiten handelt. Wir haben es gelernt alles Mögliche weg zuschmeißen, ganz nach dem Motto, aus den Augen aus dem Sinn. Dabei merken wir zunächst nicht mal wie herzlos wir dabei gegen uns selber handeln. Im Gegenteil sind wir eher stolz auf uns dass wir das endlich geschafft haben! Wir freuen uns etwas Unangenehmes losgeworden zu sein.

Doch vielleicht kennst du es auch dass sich doch relativ schnell das Alte wieder einschleicht, häufig in einem neuen Gewand, so dass du es nicht gleich wieder erkennst. Doch nach einer Weile und beim näheren Hinschauen merkst du irgendwann: „Oh, das hatte ich doch schon!“

das Gleiche im Grünen hat dich wieder eingeholt. Wie kommt es dazu?

 

Die unbewussten tiefliegenden Muster

Wenn wir in der Tiefe, also in den überwiegend unbewussten Bereichen nicht wirklich bereit sind, loszulassen, so wird es uns wieder einholen, die Gewohnheit, das Muster oder was auch immer …

 

Um heraus zu finden warum das so ist, müssen wir ein wenig tiefer in uns hinein schauen oder spüren. Weil alle Muster, auch die die uns behindern, haben ihren Sinn. Sie sind entstanden in bestimmten Situationen oder Lebensphasen um uns zu unterstützen oder sogar unser Leben zu retten. Daher sind besonders solche Muster die Überlebensstrategien bilden, so hartnäckig. Denn sie haben uns einst ermöglicht zu überleben, als wir in einer Lebenssituation waren, die lebensbedrohlich war. Sie haben uns quasi mal das Leben gerettet. Das muss keine körperliche Bedrohung gewesen sein. Es kann auch die Angst vor dem Verlust von Liebe oder Zugehörigkeit gewesen sein. So ein drohender Verlust, ist für ein Kind der Tod, deswegen erschaffen Kinder diese Überlebensmuster. Das geschieht unbewusst doch sie geben Sicherheit, Geborgenheit, Stabilität, sie sind unsere Lebensretter gewesen und die schmeißt man nicht einfach so mal eben nebenbei raus. Selbst wenn sie uns später im Leben im Weg stehen, uns am Wachstum hindern, uns buchstäblich „Klein“ halten, werden wir sie nicht so schnell los.

 

Loslassen erfordert Mut

Wenn uns das behindernde mehr stört, als der Gewinn den wir davon hatten oder manchmal sogar noch haben, dann ist der Moment gekommen diese Muster loszulassen. Doch weil sie vor langer Zeit mal lebensrettend waren, fühlt es sich sehr bedrohlich an, sie wirklich aufzugeben. Es kann durchaus das Gefühl aufkommen zu sterben. Und ja etwas stirbt dabei. Es ist ein wenig wie bei der Raupe die zum Schmetterling wird. Sie lässt einen alten Zustand, ihr Dasein als Raupe los. Sie verpuppt sich und löst sich auf und daraus wächst eine ganz neue Form, der Schmetterling!

 

Diese Art zu Sterben erfordert Mut. Es ist ein Schritt ins Unbekannte. Gefühlt wissen wir nicht, was passiert, wenn wir wirklich loslassen. Es fühlt sich also an, wie ein Fall ins Ungewisse. Auch der Baum weiß nicht was geschieht wenn er seine Blätter sein prächtiges Sommerkleid loslässt, noch weiß es das Blatt… Sie lassen es geschehen weil sie ganz eingebunden sind in den Kreislauf der Natur. Im Gegensatz zu uns Menschen haben sie nicht den sogenannten freien Willen, sich dagegen zu stemmen!

 

Was hindert uns denn nun am Loslassen?

Würden die Bäume ihre Blätter, die ihnen im Sommer zu neuem Wachstum verhalfen, auch im Winter versuchen zu behalten, würden sie damit erfrieren. Deswegen werfen sie die Blätter ab und ziehen ihre Lebenssäfte nach innen. Wie können wir nun diesen Prozess für uns selbst anwenden und die „Blätter“ (Muster) die uns schaden würden, wenn wir sie zu lange behalten, loszulassen?

 

Häufig sind es unbewusste Anteile in uns, die nicht bereit sind, das Altbewährte gehen zu lassen. Es sind kindliche, jüngere Anteile von uns selbst, die sich nicht trauen dem Neuen zu begegnen. Häufig weil die Situation in der das Überlebensmuster erschaffen wurde, traumatisch war, Die Situation war zu schlimm, zu überwältigend und konnte nicht verarbeitet werden. Die Gefühle die damit einhergingen wurden nicht vollständig gefühlt sondern verdrängt. Instinktiv versuchen wir alles zu vermeiden was diese verdrängten Gefühle wieder hervorbringen könnte. Gleichzeitig möchte unsere Seele diese Situation heilen, weswegen sie sich ein ähnliches Szenario wieder und wieder sucht, um Schicht für Schicht das Thema zu heilen.

 

Oft ist es die Angst vor diesen Gefühlen, diese unbeliebten, verdrängten Gefühle, wie Trauer, Einsamkeit, Scham usw., die uns zurückhält uns dem Lauf des Lebens hinzugeben. Die Angst diese Gefühle könnten uns wieder so überwältigen, wie sie es damals taten in der für uns traumatischen Situation. Die Gefühle an sich können uns jedoch nichts anhaben. Sie sind einfach nur Energie. Wenn wir uns trauen sie ganz zu fühlen, die Energie davon in uns   ganz aufsteigen zu lassen. Dann können uns genau diese Gefühle tiefer führen. Sie sind wie eine Tür zu unserem tieferen Selbst ! Diese Tür können wir öffnen, indem wir uns wieder erlauben die Gefühle wirklich zu fühlen, ohne der Geschichte, also den Gedanken die wir dazu im Kopf haben, zu folgen. Wir fühlen die Energetik der Gefühle jenseits von Drama und jenseits von Abspaltung. Wenn wir durch diese Tür tiefer in unser Inneres gehen, fühlt sich das auch wie fallen an. Und es ist ein-sich-fallen-lassen in unser Innerstes. Ein sich-fallen-lassen jenseits der Gedanken, jenseits des Verstandes, jenseits der Kontrolle. Und genau das ist das Loslassen was ich eingangs meinte!

 

Wohin fallen wir, wenn wir uns wirklich fallen lassen?

Was trägt uns wenn wir die Kontrolle aufgeben und bereit sind loszulassen?

Dieses Fallen ermöglicht uns erst wirklich in der Tiefe bei uns selbst zu landen. Bei unserem tieferen oder höheren Selbst,

je nach dem wie du es bezeichnen möchtest. Manche sagen auch wahres Selbst. Hier kommen wir zur Ruhe weil wir angekommen sind. Hier fühlen wir uns sicher, weil wir bei uns sind!

Und aus dieser inneren Ruhe und inneren Halt heraus trauen wir uns das Loslassen erst zu. Nun haben wir den Mut, uns noch weiter ins Ungewisse fallen zu lassen.Und dann merken wir dass uns noch etwas trägt. Etwas was noch größer ist als wir, nicht nur größer als unser kleines "ich" sondern noch größer als unser Selbst.

So können wir uns daran erinnern dass die Erde uns trägt und dieses getragen werden bewusst wahrnehmen. Wir können uns von himmlischen Wesen getragen fühlen oder von Gott. Vom eigenen Schutzengel oder von der kosmischen Mutter….

Und wir können das auch ganz bewusst herbei führen, in dem wir uns erinnern und dem Raum geben: Ich selbst liebe das Gefühl mich von der Erde bewusst getragen zu fühlen, es ist so schön konkret. Ich mache mir dazu zunächst bewusst dass der Stuhl auf dem ich sitze oder das Bett in dem ich liege mich trägt und ich spüre dieses getragen werden, lasse es zu das wirklich bewusst wahrzunehmen, zu fühlen in meinem Körper. Ich spüre dazu als erstes die Auflageflächen meines Körpers auf dem Stuhl /Bett. Also überall dort wo mein Körper Kontakt mit dem Stuhl/Bett hat,  fühle ich einene Moment lang bewusst hin und lasse mich dabei innerlich immer tiefer sinken. Oft sitzen oder liegen wir nämlich, ohne jedoch uns tragen zu lassen, wir sind dann eher angespannt und wie auf dem Sprung! Das ist ein großer Unterschied. Probier es aus!

Du kannst dann noch weiter gehen und dir bewusst machen wer den Stuhl trägt, zum Beispiel der Boden und dann wer den Boden trägt, das Haus usw. Dann kommst du unweigerlich zur Erde. Das ist eine recht einfache Sache, die jedoch zu einer tiefen Entspannung führen kann und dir erlaubt immer mal wieder Loszulassen, auch mitten im Alltag !

 

Wenn du mehr Unterstützung im Loslassen und dich tragen-lassen möchtest, empfehle ich dir den

 

Klangteppich am 14. November mit dem Thema Loslassen

Beim Klangteppich entsteht ein hochschwingender Raum in dem loslassen und  sich fallen lassen leicht gelingen. Durch die vorher geführte Entspannung wirst du eingeladen dich von der Erde tragen zu lassen. Durch die schamanischen Gesänge werden überholte Muster & Strukturen, die dich hindern zu wachsen und weiter zu gehen, aufgelöst, ohne dass du etwas tun musst. Bei dieser Form des Loslassens können natürlicherweise Bilder in dir aufsteigen, die dir hilfreiche Informationen und Erkenntnisse für dein Leben bringen. Für manche ist es eher so, dass sie die Energien fühlen und sich dahinein entspannen können. Wie auch immer du wahrnimmst, du bist willkommen, in diesem geschützten Feld, einen kleinen „Tod“ zu sterben. Wie die Raupe die sich verpuppt um etwas Größeres zu werden, oder Dich fallen zu lassen wie ein Blatt vom Baum, das zum neuen Humus in der Erde wird. Oder du bist wie der Baum der seine Blätter loslässt um ganz tief nach Innen zu seiner Essenz zu kommen.

Wenn du magst bringe etwas mit, was für dich ein Thema symbolisiert was du loslassen möchtest.

Am besten etwas aus natürlichem Material, was du dann später der Erde übergeben kannst.

 

Hier geht’s zu Anmeldung

 

Hier kannst du mehr zum Klangteppich lesen

 

 und hier zum Ablauf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Marianne (Sonntag, 10 November 2019 14:13)

    Sehr schön beschrieben ❤️
    Herzlichen Dank